Wasser für den Frieden

Herausforderungen und Vorteile von Kooperation

 © Oksana Udovyk (GlobalWaterPartnership)
© Oksana Udovyk (GlobalWaterPartnership)

Grenzüberschreitende Wasserkooperation bildet die Basis für friedliche und nachhaltige Wasserbewirtschaftung. Die Stärkung von Wasserkooperation ist dabei selten einfach, weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.

 

In vielen Ländern ist der Wassersektor fragmentiert und die Institutionen arbeiten nicht zusammen. Die Wasserinfrastruktur ist oft mangelhaft, die Lizenzvergabe intransparent und Regeln werden willkürlich angewandt. Dies sorgt oft für Konkurrenz unter Wassernutzern.

 

Dies wirkt sich auch auf die internationale Zusammenarbeit aus. Allein der Austausch von Daten kann problematisch sein. Hinzu kommt, dass Wasser infolge von Übernutzung und Verschmutzung entlang des Oberlaufs häufig flussabwärts nicht in ausreichender Menge und Qualität ankommt.

Erfolgreiche Zusammenarbeit bringt viele Vorteile: Vereinbarungen sichern eine ausgeglichene Wasserverteilung und gerechten Zugang zu Wasser. Engpässe können vermieden werden und Wasserversorgungssicherheit wird gewährleistet. Integrierte Wasserbewirtschaftung verhindert Übernutzung und schützt Wasserökosysteme.

Kooperation im Wasserbereich dient oft als Katalysator für die Überwindung kultureller und politischer Spannungen. Allerdings müssen die Anrainerstaaten diese Zusammenarbeit selbst wollen - die internationale Gemeinschaft kann dann unterstützend tätig werden.

Wasserdiplomatie

© UNIAMI
© UNIAMI

Abkommen zur gemeinsamen Wassernutzung existieren in zahlreichen grenzüberschreitenden Einzugsgebieten, zum Beispiel die nordafrikanische Nil-Becken-Initiative, die Save-Kommission in Südosteuropa und für das Einzugsgebiet des Indus in Südasien.

 

Allerdings berücksichtigen viele dieser eher konventionellen Abkommen Herausforderungen wie den globalen Klimawandel nur unzureichend. Die Auswirkungen des Klimawandels machen den Wassersektor anfälliger für Störungen, wodurch Wasserbewirtschaftung komplexer wird und ganzheitliche Ansätze zur Eindämmung von Wasserkonflikten an Bedeutung gewinnen. Zudem ist in vielen Fällen das Kernproblem von Wasser die unzureichende Governance, nicht Wassermangel.

Wasserdiplomatie ist ein strategisches Instrument der interkulturellen Vermittlung, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Wichtige Ziele sind dabei:

  • Verständnis und Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven;
  • Anerkennung, dass Wasser eine flexible Ressource ist;
  • Akzeptanz, dass Wasserressourcen und deren Bewirtschaftung komplex und nur schwer vorhersehbar sind.

Erfolgreich angewandt kann Wasserdiplomatie ein wertvoller Beitrag zur Lösung von Konflikten sein.

Die Wasserinitiative Zentralasien

 Der „Berliner Prozess“ ist ein Beispiel für Wasserdiplomatie als Teil präventiver Außenpolitik: 2015 bildete die Berliner Konferenz „Wasser und gutnachbarschaftliche Beziehungen in Zentralasien“ den Auftakt der dritten Phase der 2008 begonnenen Wasserinitiative Zentralasien des Auswärtigen Amtes. In der zweiten „Gemeinsamen Berliner Erklärung“ vereinbarten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Deutschland die Fortsetzung der Zusammenarbeit zu nachhaltiger Wasserbewirtschaftung in Zentralasien.

 

Die Wasserinitiative Zentralasien bietet:

  • politisch-institutionelle Unterstützung zum Aufbau effektiver Institutionen;
  • wissenschaftlich-technische Hilfe für Datenerhebung und den Aufbau zuverlässiger Datenbanken;
  • Unterstützung für den Masterstudiengang „Integriertes Wasserressourcen-management“ an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty.

Der Berliner Prozess bildet eine neutrale Plattform für Dialog. Er nutzt Wasser als Schlüssel zur Stärkung der allgemeinen Zusammenarbeit in der Region, um das Vertrauen zwischen den zentralasiatischen Staaten zu stärken.