Wasser und Kulturgeschichte

Motor der Kulturgeschichte

Wasser ist ein Schlüsselelement der Menschheitsgeschichte. Seine technische Erschließung begann mit den frühesten Siedlungen. Ein streng organisiertes Wassermanagement war Grundlage der großen Flusskulturen an Nil, Euphrat und Yangtse.

 

9000 vor Christus wurde auf Zypern der erste Brunnen gebaut. Als Folge weiteten sich dauerhafte Siedlungen auch dort aus, wo keine Flüsse für die Wasserversorgung vorhanden waren. Mit dem Bau von Kanälen, Aquädukten und Staudämmen wurde die Versorgung mit Trinkwasser und Bewässerung verlässlicher. Dadurch konnten sich Gesellschaften vielschichtig ausdifferenzieren, Elend und Mangel wurden eingedämmt, Wohlstand und Reichtum ermöglicht. Wasser spielte deshalb oft auch eine Schlüsselrolle in der Anbetung von höheren Wesen um Fruchtbarkeit und langes Leben. Herrscher zeigten mit  Wasserspielen Macht und Überfluss.

Für die archäologischen Wissenschaften ist die Frage nach Ressourcen und ihrem damaligen Umgang eine Kernfrage, die zusammen mit den Naturwissenschaften erforscht wird. Eines der größten archäologischen Forschungseinrichtungen weltweit ist das Deutsche Archäologische Institut (DAI). An 21 Standorten und in fast 350 Projekten ist es gemeinsam mit seinen Partnern global präsent. Das DAI trägt zugleich zur Erschließung und Bewahrung des kulturellen Erbes in den Gastländern bei, als Forschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Auswärtigen Amtes.

Siedeln am Wasser - vorgeschichtliche Pfahlbauten

© DAI
© DAI

Die Bedeutung von Wasser in der Kulturgeschichte spiegelt sich auch in den vielen hundert UNESCO-Welterbestätten mit direktem Zusammenhang zu Wasser wider. Die Weltgemeinschaft hat sich somit darauf geeinigt, den außergewöhnlichen universellen Wert solcher wasserbezogener kultureller oder natürlicher Stätten zu schützen – nicht nur durch den jeweiligen Nationalstaat, sondern gemeinsam für und durch die gesamte Menschheit.

 

Beispiele dafür, wie Wasser das Siedlungsverhalten geprägt hat, geben die stein- und bronzezeitlichen Ufersiedlungen in den Regionen rund um die Alpen. Dank der hervorragenden konservierenden Bedingungen in feuchtem Milieu haben sich auch organische Materialen wie Holz, Textilien, Tierknochen und Pflanzenreste erhalten. Die Häuser waren in unmittelbarer Nähe von Flüssen, Seen und Feuchtgebieten mit oder auf hölzernen Pfählen errichtet. Sowohl ebenerdige wie auch abgehobene, vor Überschwemmung geschützte Häuser am Ufersaum sind bekannt. Eine Serie von 111 dieser Pfahlbauten – von über 930 insgesamt – aus der Zeit von 5000 bis 500 vor Christus wurde 2011 in die Welterbeliste aufgenommen.

 

Die prähistorischen Pfahlbauten erlauben hervorragende Einblicke in die frühe Agrargesellschaft. Archäologische Forschung hilft uns zu verstehen, wie die Menschen dieser Siedlungen mit ihrer Umwelt interagierten, sich an Klimaveränderungen anpassten und technische Neuerungen entwickelten.

Rom - Wasser ist Macht

© DAI
© DAI

Als aufwändig zu bewirtschaftendes Luxusgut spielt Wasser seit jeher eine besondere Rolle in der Inszenierung von Macht und Reichtum, im kaiserlichen Rom wie im Córdoba der Kalifen.

 

So auch auf dem Hügel Palatin, dem Machtzentrum Roms, der seit 1998 u.a. vom DAI und der BTU Cottbus in enger Zusammenarbeit mit der Soprintendenza Speciale di Roma mit modernen Messmethoden wie Laserscanning, Tachymetrie oder Photogrammetrie zur Erstellung dreidimensionaler Modelle der Kaiserpaläste erforscht wird: Der Palatin war exklusiv an einen Aquädukt angeschlossen, über den seit 312 v.Chr. die Versorgung Roms mit Wasser erfolgte. Ein technisch anspruchsvolles System von Bleileitungen verteilte das Wasser im gesamten Palastkomplex. Es garantierte variable Wasserspiele ebenso wie gefüllte Becken und künstliche Seen für sommerliche Kühlung.

Wasser war im antiken Rom aber auch ein Kennzeichen sozialer Distinktion, ablesbar etwa an den unterschiedlichen Formen von Bädern, deren Spektrum von Prachtthermen bis hin zu Quartiersbadeanlagen reichte. Schätzungen gehen davon aus, dass zwei Drittel der verfügbaren Wassermenge in der Kaiserzeit dem Kaiser und der Elite zur Verfügung standen, ein weiteres Drittel der Gesamtmenge der Bevölkerung. Die allgemeine Versorgung der Bevölkerung Roms erfolgte über öffentliche Laufbrunnen. Latrinen, die an öffentliche Platzanlagen, Theater und Thermen angegliedert waren, waren zentrale Orte der Kommunikation, aber auch der Hygienepflege.