Grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung

Auf der Suche nach Lösungen

Der Weltgipfel in Rio de Janeiro im Jahr 1992 erklärte Integriertes Wasserressourcen-management (IWRM) zum globalen wasserpolitischen Leitbild.

 

Die EU-Staaten nahmen IWRM besonders ehrgeizig auf: Die im Jahr 2000 beschlossene Europäische Wasserrahmenrichtlinie ist ein verpflichtender Rahmen für sektor- und grenzüberschreitende Bewirtschaftung von Gewässereinzugsgebieten. Diese Richtlinie ist auch ein Vorbild für viele Nachbarn der EU.

 

IWRM ist international anerkannt und auch im  Nachhaltigkeitsziel 6 der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung berücksichtigt. IWRM ist ein ganzheitlicher Bewirtschaftungsansatz innerhalb natürlicher Einheiten, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen einbezieht. Aufbauend auf partizipativen Prozessen soll für alle Nutzer ein Mehrwert erreicht werden.

 

Während sich IWRM in erster Linie mit der möglichst effizienten Nutzung von Wasserressourcen befasst, beinhaltet das noch stärker integrierte, sektorübergreifende „Nexus-Konzept“ den Ausgleich von Wasser mit anderen Ressourcen wie Nahrungsmitteln und Energie.

 

Deutschland setzt sich international nachdrücklich für die Weiterentwicklung und konkrete Umsetzung des Nexus-Ansatzes ein. Bereits 2011 fand in Bonn als deutscher Beitrag zur Vorbereitung des Rio+20-Gipfels die Konferenz “The Water, Energy and Food Security Nexus – Solutions for the Green Economy” statt.

Wassergovernance

© U.S. Department of Agriculture CC BY 2.0
© U.S. Department of Agriculture CC BY 2.0

Die Umsetzung von IWRM hat weltweit wichtige Erfolge erzielt. Gleiches gilt für die Wasserrahmenrichtlinie innerhalb der EU. Es bleiben jedoch noch viele Heraus-forderungen bei der Bewirtschaftung von Wasserressourcen. Der Nexus-Ansatz geht über die reine Bewirtschaftung hinaus und strebt die Verbesserung von Politik und Governance an.

 

Prinzipien für Wassergovernance wurden unter anderem durch die OECD entwickelt: Sie sollen beim Aufbau von Governance-Strukturen helfen, eine Vertrauensbasis schaffen, die aktive Einbindung von Interessengruppen fördern sowie Effektivität und Effizienz verbessern. 

Damit basieren die Prinzipien für Wasser-governance auf den allgemeinen Prinzipien guter Regierungsführung:

  • Legitimität
  • Transparenz
  • Rechenschaftspflicht
  • Menschenrechte
  • Rechtsstaatlichkeit und
  • Inklusivität

Diese Prinzipien dienen als Wegweiser, auch wenn es keine Universallösung für die globalen Herausforderungen im Wasserbereich gibt. Jedes Land benötigt einen individuellen Ansatz, der auf den spezifischen regionalen Kontext zugeschnitten ist.

Wasser in der Entwicklungszusammenarbeit

© Stuart Pike/flickr CC BY-NC-SA 2.0
© Stuart Pike/flickr CC BY-NC-SA 2.0

Dank seiner Entwicklungszusammenarbeit verfügt Deutschland über langjährige Erfahrung mit Wassergovernance und das Wissen, dass gute Governance und grenzüberschreitende Wasserkooperation eng miteinander verbunden sind.

Ein Beispiel hierfür ist Jordanien: Laut der Ernährungs- und Landwirtschafts-organisation (FAO) steht das Land an zweiter Stelle der weltweit wasserärmsten Länder. Israel, die Palästinensischen Autonomiebehörden und Jordanien entnehmen dem Jordan bis zu 95% des Wassers. Daher fließt kaum noch Wasser in das Tote Meer, dessen Wasserspiegel rapide um rund einen Meter pro Jahr sinkt. Gleichzeitig ist die Abwasseraufbereitung unzureichend, was die Wasserknappheit verschärft.

Ausbau und Optimierung der  Abwasseraufbereitung ist einer der Schwerpunkte deutscher Entwicklungszusammenarbeit mit Jordanien. Zusätzlich wird die Umsetzung der Jordanischen Wasserstrategie 2008-2022 unterstützt, um effiziente und nachhaltige Wasserbewirtschaftung zu erreichen.

Fortschritte beim Wassermanagement im gesamten Jordanbecken könnten zu politscher Entspannung beitragen, noch allerdings fehlen regionale Wassergovernancestrukturen.