Historische Wasserbewirtschaftung

Historische Wasserbewirtschaftungssysteme

Viele historische UNESCO-Welterbestätten sind herausragende Beispiele für effektive Wasser-Managementpraktiken, beispielsweise:

  • das historische Hydrauliksystem im irnaischen Schustar,
  • das Schiffshebewerk Canal du Centre in Belgien oder der Canal du Midi und der Pont du Gard in Frankreich,
  • der Beemster Polder in den Niederlanden und
  • die Reisterassen in China und auf den Philippinen
Der von 1979 bis 1989 durchgeführte UNESCO Libyan Valley Archaeological Survey in Tripolitanien (Nordwestlibyen) hat eindrucksvoll gezeigt, wie die langfristige Speicherung von Wasser in den Tälern (Wadis) die Region in der Antike zu einer der Kornkammern des römischen Reiches machte.

 

Ein weiteres Beispiel sind die Aflaj im Oman, von denen fünf stellvertretend im Jahr 2006 als Welterbe anerkannt wurden. Die Aflaj sind ein typisches Bewässerungssystem der Regionen zwischen Marokko und dem westlichen China. Andere bekannte Bezeichnungen für dieses System sind Qanate (Arabisch) oder Karez (Persisch). Alle Aflaj bestehen vor allem aus Kanälen ohne Pumpen, in denen das Wasser aufgrund des geringen Gefälles über viele Kilometer verteilt wird; und zwar von unterirdischen Quellen, Wadis oder Grundwasserbohrungen bis hin zu den Feldern und nach einem festen Schlüssel. Die Aflaj haben in Oman eine Gesamtlänge von 1000 Kilometern und sind bis zu 1500 Jahre alt.

Oasenwirtschaft - Marib

Oasen sind hart konkurrierende Handelsplätze in unwirtlicher Umgebung. Sie stehen für Erfindergeist und Effizienz, keinesfalls sind sie „verschlafene Nester“. Auf der trockenen arabischen Halbinsel entstand vor über 6000 Jahren entlang der Weihrauchstraße die Lebensform der Oasenkultur inmitten der Wüste. Möglich wurde sie durch die seit der Jungsteinzeit bekannten Brunnentechnologie. Gärten und Felder entstanden, die Oasenstädte mit reichhaltigem Wasserdargebot wurden zu politischen und wirtschaftlichen Machtzentren.

 

Die Stadt Marib im Jemen ist ein Musterbeispiel: Diese größte Oase Südarabiens war von Assyrien bis nach Rom bekannt. Das DAI erforscht mit Hydrologen die frühen Innovationen, die Maribs Aufstieg möglich machten. Eine der wichtigsten war der „große Damm, dessen Anfänge ins 2. Jahrtausend vor Christus zurückreichen. Im 6. Jahrhundert vor Christus war er 680 m lang, 18 m hoch und aus Erde gebaut, verstärkt durch Steinbauten (Schleusen). Anders als heutige Talsperren diente er nicht der Vorratshaltung, sondern der Vollsperrung eines Wadis und Anhebung des Wassers auf das Niveau der Felder. Die zweimal im Jahr durch den Monsun auftretenden Wasserfluten wurden auf erhöhtem Niveau in ein Kanalsystem geleitet, das für 1000 Jahre die nahezu 100 km² große Oasenlandschaft bewässerte.

Weitere Oasensysteme, zum Beispiel in Marokko und Tunesien, sind als „Globally Important Agricultural Heritage Systems (GIAHS)“ durch die FAO ausgezeichnet. Dieses Programm bewahrt landwirtschaftliches Erbe und Wissenssysteme durch dynamische Erhaltung und fördert nachhaltige Bewirtschaftung sowie zukünftige Resilienz.

Vorindustrielle Energieerzeugung – das Oberharzer Wasserregal

© Wikimedia
© Wikimedia

Das Oberharzer Wasserregal ist eines der größten vorindustriellen Energieversorgungssysteme weltweit. Es wurde für den einst boomenden Harzer Bergbau errichtet: Der Abbau von Silber, Kupfer und anderen Metallen benötigte große Energiemengen. Da der Bergbau enorm lukrativ war, flossen große Investitionen in modernste technische Innovationen für die Energieversorgung. „Regal“ bezieht sich auf die zugrundeliegende Rechtsverordnung.

 

Zisterziensermönche des Klosters Walkenried am Südrand des Harzes hatten bereits im frühen 13. Jahrhundert erste Teich- und Grabensysteme mit Wasserrädern konstruiert. Später wurde daraus ein System mit über 300 km Gräben und Wasserläufen und mehr als hundert Teichen. Die Teiche wurden in einer Kaskade angeordnet, damit das Wasser möglichst viele Wasserräder antreiben konnte. Auch für niederschlagsarme Zeiten wurde bestmöglich vorgesorgt.

Heute werden die Anlagen weiterbetrieben, da sie das traditionelle Landschaftsbild prägen.  Einige Teiche dienen noch der Trinkwassergewinnung und dem Hochwasserschutz. Als UNESCO-Welterbe anerkannt wurden die erhaltenen Anlagen 2010 als Erweiterung des Bergwerks Rammelsberg und Goslar.