Umweltprobleme

Wasser und Klimawandel


Der Klimawandel ist die vielleicht größte Herausforderung, der sich die Menschheit aufgrund eigener Handlungsfolgen stellen muss. Der Klimawandels hat tiefgreifende Auswirkungen auf den Wasserkreislauf: In vielen Regionen wird bestehende Wasserknappheit verschärft, meteorologische und hydrologische Extremereignisse nehmen an Häufigkeit und Intensität zu.

 

Aktuelle wissenschaftliche Studien und Prognosen des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderung (IPCC) gehen davon aus, dass beispielsweise der südasiatische Monsun regenreicher wird. Voraussichtlich wird sowohl die durchschnittliche Niederschlagsmenge als auch die Häufigkeit von extremen Niederschlägen zunehmen, was ein steigendes Hochwasserrisiko mit sich bringt.

 

Durch schmelzende Gletscher und das höhere Volumen warmen Wassers führt der Klimawandel auch zum Anstieg des Meeresspiegels, was besonders flache Inseln, Küsten und Flussmündungen gefährdet. Das Beispiel Kiribatis ist alarmierend: Das Land besteht fast ausschließlich aus Atoll-Inseln, die wahrscheinlich noch vor Ende des Jahrhunderts zum größten Teil vom Meer verschlungen sein werden. Die Einwohner werden keine andere Möglichkeit haben, als in andere Länder umzusiedeln.

Die seit Jahrzehnten andauernde Erderwärmung ist unumkehrbar. Die schwersten Auswirkungen des Klimawandels könnten jedoch durch sofortiges entschlossenes Handeln verhindert werden. Allerdings können nicht alle Auswirkungen des Klimawandels zuverlässig vorhergesagt werden. Um mit diesen Unsicherheiten umzugehen, sind adaptive Managementansätze notwendig, besonders im Wassersektor. Dabei ist internationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwingend, denn Wasser kennt keine Grenzen

Ökosystemleistungen

Flüsse, Seen und Feuchtgebiete sind Ökosysteme, die durch Wasser und den hydrologischen Kreislauf erhalten werden. Sämtliche Ökosysteme tragen über verschiedene Funktionen direkt und indirekt unschätzbar zum Wohlergehend der Menschen bei: dies wird als Ökosystemleistungen bezeichnet. Hierzu zählen die Bereitstellung von Wasser für den Verbrauch und auch Freizeitaktivitäten, die Regulierung von Hochwasserabflüssen sowie Beiträge zum Nährstoffkreislauf.

 

Die konkurrierenden Ansprüche diverser Wassernutzer bringen gerade in Zeiten von Mangel oder eingeschränkter Qualität Zielkonflikte mit sich. Je mehr Wasser für den direkten Gebrauch entnommen wird, desto weniger verbleibt für die übrigen Ökosystemleistungen. Eine weitere Bedrohung stellt sinkende Wasserqualität dar. Verschmutzungen schädigen Ökosysteme und verringern dadurch zusätzlich die nutzbare Wassermenge.

 

Finanzielle Anreize können bei Zielkonflikten helfen. Prominent ist der Fall des Wassereinzugsgebiets der Catskills in den USA: Zur Bewahrung der Qualität ihres Trinkwassers beschloss die Stadt New York 1 Milliarde Dollar in Umweltschutzmaßnahmen im Einzugsgebiet zu investieren. Die Kosten für eine Kläranlage hätten beim bis zu Sechsfachen dieser Summe gelegen.

Gute Governance ist ebenso ein Schlüssel zum Ausgleich von Zielkonflikten. Das Konzept der ökologischen Restwassermengen kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein. Es definiert die Wassermenge, die ein Ökosystem benötigt, um konkurrierende Nutzungsformen bedienen zu können. Es ist damit ein Instrument, um die Wasserverteilung zu regeln und einen Konsens zwischen den Interessengruppen zu erreichen.

Gewässerschutz

©  Martine Perret UN Photo
© Martine Perret UN Photo

Die Notwendigkeit von Gewässerschutz ist unbestritten, sowohl hinsichtlich Wassermenge als auch Wasserqualität. Die Ökosysteme entlang eines Flusses benötigen laut UNESCO-Weltwasserbericht 2016 etwa 20 – 50% des durchschnittlichen Jahresabflusses, auch für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen.

 

Die Bewahrung der Gewässerqualität ist ebenso wichtig. Besonders in Lateinamerika, Afrika und Asien sinkt die Wasserqualität infolge von Bevölkerungswachstum, Industrialisierung und intensiver Landwirtschaft, verschärft durch die Einleitung ungeklärter Abwässer in Oberflächengewässer. Insgesamt sind die meisten Flüsse auf diesen Kontinenten noch in gutem Zustand, weshalb die Vermeidung weiterer Verschmutzung prioritär sein sollte.

 

In vielen Industrieländern hat sich die Gewässerqualität in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Deutschland steht hier für eine Erfolgsgeschichte: Seit den 1970er Jahren wurde die Schadstoffmenge drastisch reduziert. Unter anderem hat sich die Wasserqualität des Rheins so sehr verbessert, dass das ehemals belastete, sauerstoffarme Wasser heute beinahe Trinkwasserqualität hat.

Die „German Water Partnership“ (GWP), ein Netzwerk der deutschen Wasserwirtschaft, hat es sich zur Aufgabe gemacht, deutsche Erfahrungen und Expertise sowie ingenieurtechnische Lösungen weltweit zur Verfügung zu stellen und die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Das Auswärtige Amt unterstützt diese Initiative als eines von fünf Bundesministerien.